Huehuetenango
Felix' Reise Kulturelles Oktober 19th, 2010
Unter den Freiwilligen ist es ueblich, dass jede Generation eine Erinnerung hinterlaesst. Das hier ziert seit vorletzter Woche die Flurdecke der WG.
Tja, und noch ein Post innerhalb innerhalb unseres ueblichen "plusminus ein Monat"-Rithmus... Was das bedeutet? Genau, unsere Zeit in den Projekten ist vorbei, Patrick ist bereits wieder in Deutschland und fleissig am studieren und die WI-Generation 10/11 in Coban -unsere Nachfolger- rocken die Projekte!
Und auch fuer mich kam dann, wenn auch mit einwoechiger, regenbedingter Verspaetung, doch wieder schneller als gedacht der Tag des Abschieds. Josué, mein Gastbruder, in dessen Haus ich die letzte Woche ueber Asyl gefunden hatte, brachte mich zum Bus-Terminal und so sah ich schliesslich am 3. Oktober um 12 Uhr, mein verregnetes Lieblingsdoerfchen und Wahlheimat fuer ein Jahr, zwischen Huegeln und Wolken verschwinden.1
Ich habe so ne Art Glueck: Weil mir im Gegensatz zu Patrick kein fieser Semesterbeginn im Nacken sass, kann ich meinen Ruecklug nach good ol' Germany Alemaniabuena noch ein bisschen herauszoegern, bis zum 15. Dezember, um genau zu sein.2 Und ein bisschen reisen. Man ist schliesslich nicht alle Tage in Amerika.
Einzige Vorgabe: Am 14. Dezember muss ich in Caracas sein, den Rest lass ich dann mal auf mich zukommen.
Die Odysse ging vielversprechend los: Denn obwohl laut die Strassen inzwischen als passierbar galten, verfehlte ich bereits mein erstes Tagesziel Huehuetenango. Erdrutsch. Tja selber Schuld, wenn man sich ausgerechnet den zentralamerikanischischen Winter mit seinen Tropenstuermen zur Reisezeit auswaehlt.
Mein Feststecken in der einige Stunden vor Huehue liegenden Stadt Aguacatán war aber weit undramatischer als es scheint. Ein Mitreisender kannte sich aus und schon bald war mein Monsterrucksack in einer kleinen, guenstigen (und ueberraschend gemuetlichen) Herberge untergebracht und wir beide am Abendessen. Er war aus Cobán und arbeitete am Bau einer Strasse in der Naehe von Huehuetenango.3
Am naechsten Tag ging es dann ueber die nicht-verschuettete Alternativroute weiter nach Huehuetenango. Und auf einmal war ich ganz froh, am vergangenen Abend nicht weiter als Aguacatán gekommen zu sein. Denn die "Strasse" ueber den Quiché bot neben atemberaubenden Anblicken vor allem eins: Nervenkitzel. Die Aussicht war aber geil. Ungelogen.
Huehuetenango machte einen entspannt unaufgeregten Eindruck. Zwingt einen weiter im Sueden die schwuele Hitze einen Gang herunterzuschalten, laesst man es hier etwas ruhiger angehen, weil es so kalt ist. Denn kalt ist es, zumindest fuer Guatemaltekische Verhaeltnisse. Und so verbrachte ich die Nacht nach rudimentaerer Stadtdurchschlenderung und Chévere von der Strasse4 in meinem Schlafsack unter zwei Decken.
Am naechsten Tag wurde es dann endlich mal so richtig touristisch: Ich sah mir die leicht ausserhalb der Stadt gelegenen Ruinen an. Den Besuch laesst man Touristen in Huehuetenango durchaus etwas kosten. Denn statt dem Preis fuer Einheimische, Q5 wollte man von mir dann mal eben das zehnfache. Nach etwas Smalltalk mit dem Waerter war aber schnell geklaert, dass ich als Ein-Jahr-Voluntario quasi ein Einheimischer bin und mein Q100 Tagesbudget hielt dann doch.5
Dann ging es zum Busterminal um die naechste Station auf dem Gringo Trail in Angriff zu nehmen: Quetzaltengo (wo ich uebrigens immer noch bin, aber dazu morgen mehr, denn hier ist es jetzt 20 Uhr und das Internetcafé macht zu...)
Gruesse aus Guatebuena!
Felix
- Wer Pathetik findet, darf sie behalten [↩]
- Da habt ihrs: schreibts euch in den Kalernder, ihr Lieben [↩]
- Ich glaube die eine Haelfte des guatemaltekischen Infrastrukturbudgets geht in den Strassenbau, die andere ins Strassen ausgraben. Letzteres ist anscheinend die einzige Form der Instandhaltung [↩]
- Hotdog, Q5, Getraenk enthalten, die gleichpreisige Alternative "Tacos" war zwar nicht ganz so nordamerikanisch, enthielt aber keine Limo [↩]
- Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde es gut, dass (oekonomisch natuerlich viel besser gestellten) Touristen mehr bezahlen. Aber das Angebot konnte ich nicht ausschlagen... [↩]



















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