Xelajú // a.k.a. Quetzaltenango
Felix' Reise Oktober 19th, 2010Seit ueber einer Woche bin ich also nun in Xela bzw. Quetzaltenango, wie die zweitgroeste Stadt Guatemalas offiziell heisst. Letzterer ist der Name, den die Spanier mitbrachten, nachdem Conquistador und allgemeiner Bad Guy Pedro de Alvarado vor den Toren der Stadt den letzten Anfuehrer der K'iche's und heutigen Nationalhelden Tecún Umán niedermetzelte.1 Hipper ist da bei weitem die Abkuerzung des damaligen Maya-Namens Xelajú, der hier, bevorzugt in Verbindung mit dem unverkennbaren Akzent der vielen nordamerikanischen Spanischschuelern, ueberall zu hoeren ist.2
Und es ist verstaendlich, warum die "zweite Hauptstadt" Guatemalas da oben im Norden eine solche Popularitaet geniesst: Denn trotz den unzaehligen Sprachschulen, heimeligen Cafes und billigem Internetzugang, ist Xela dann doch irgendwo eine guatemaltekische Stadt geblieben, inklusive bunter Trachten und heruntergekommener Kolonialarchitektur.
Von all dem wusste ich allerdings noch nicht so viel, als ich vor etwas mehr als einer Woche hier ankam, mit dank den immernoch etwas schlechten Strassen reichlicher Verspaetung und ohne die geringste Ahnung, wo ich die guatemaltekisch-typisch schnell hereinbrechende Nacht verbringen koennte. An so etwas wie eine Touristeninformation war nicht mehr zu denken und da auch die Ratschlaege, die mir die wenigen noch auf der Strasse anzutreffenden Leute -das Busterminal lag ausserhalb des Zentrums- gaben, reichlich vage waren, landete ich schliesslich in einem Internetcafe in der Innenstadt, wo mich die Preise der Hostals, die Google so ausspuckte, etwas erschreckten. Soviel zu meiner Arroganz, mich vor meiner Abreise noch nicht mal mit einem Reisefuehrer oder ein paar Tipps von Freunden einzudecken. Das hier war die Rechnung.
Ich legte dem Host des Internet-Cafes, der jetzt wirklich schliessen wollte, meine Situation dar. Ob er nicht einen Tipp fuer eine guenstige Herberge ohne viel Schnickschnack habe? "Ich habe Luftmatratze und Schlafsack dabei, gibt es denn da nichts unter 100 Quetzal?" Hatte er nicht, wohl aber seine Freundin, bei deren Familie ich nun seit ueber einer Woche wohne. Die Nacht verbrachte ich im bequemsten Bett seit ueber einem Jahr.

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Und die Suche nach etwas besseren habe ich die folgenden Tage schnell fallen gelassen. Nach einem Jahr im Pastoral ist es nur zu schoen das Spektakel mitzuerleben, das Helen und Andersy (4 und 6 Jahre alt) hier Tag um Tag veranstalten. Auch die anderen Mitglieder der Familie sind einfach nur lindos, supernett, Violet, meine Gastmutter zaubert jeden Tag ein Abendessen, bei denen gerne mal 10 Maegen anwesend sind3 -ich bin jetzt der King im Tortillas machen!- und Maria, deren Anruf bei ihrer Mutter ich all das zu verdanken habe, scheitert nun seit nunmehr ueber einer Woche daran, mir auch nur die einfachsten Salsa- und Bachata-Schritte beizubringen. Dass ich fuer die 50 Quetzal, die ich hier pro Nacht bezahle, in einschlaegigen Hostals noch nicht mal die Kueche mitbenutzen darf, muss ich wohl gar nicht erst nicht erwaehnen.
Auch nicht, dass die Tage wie im Flug vergehen, ohne, dass ich grossartiges getan haette. Als einzige Errungenschaften waeren zu nennen, dass ich jemanden gefunden habe, der mir meine Kamera gesaeubert hat, so dass ich jetzt einigermassen sicher sein kann, dass diese miese Koernigkeit auf den Bildern mit dem antiquitierten Scannern zusammenhaengt, die hier zum Teil in den Fotolabors verwendet werden. Hoffe ich.
So weit so gut in Xela... Das naechste Mal melde ich mich dann hoffentlich aus der Hauptstadt!
Liebe Gruesse
Felix
- Wie viele andere Ortsnamen mit der Endung -nango stammt auch dieser aus Zentralmexiko, wo die Spanier Verbuendete hatten [Quetzaltenango: (Nahuatl) "Quetzal-Ort" bzw. "Ort, an dem Mauern errichtet wurden"]
I <3 Wikipedia [↩] - Sheylah [↩]
- Ich habe mich revanchiert! Vorgestern abend gab es Bolognese :) [↩]



















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